Am diesjährigen Obst- und Gemüsetag war auch wieder die Schifferstadter Ortsgruppe der Menschenrechtsorganisation amnesty international mit einem Informationsstand vertreten.
Im Zentrum standen diesmal Petitionsbriefe an die Behörden in Lesotho, Pakistan und den USA. Es handelt sich hierbei um sog. „urgent actions“, also koordinierte Aktionen, um öffentlichen Druck auszuüben und die Verantwortlichen auf das Schicksal akut gefährdeter Personen aufmerksam zu machen.
Im Fall von Lesotho ging es um einen Journalisten und Menschenrechtsaktivisten, der wegen seiner regierungskritischen Arbeit aus seiner Wohnung entführt und misshandelt wurde. Er befindet sich aktuell zwar nicht in Haft, wird aber permanent mit dem Tode bedroht.
Man kann doch nicht einfach so verschwinden, oder doch? Zwei Afghanen, die vor den Taliban nach Pakistan geflohen waren, sind seit einigen Wochen in Islamabad spurlos „verschwunden“. Es besteht die Gefahr einer willkürlichen Verhaftung durch die pakistanische Polizei, weswegen amnesty international hier Aufklärung von den verantwortlichen Behörden einfordert.
Dass ICE nicht nur für eine schnelle Zugverbindung steht, sondern auch für die us-amerikanische Einwanderungsbehörde, die schon mehrfach durch ihr äußerst brutales Vorgehen aufgefallen ist, wissen inzwischen viele Menschen. Eine junge Frau aus Nicaragua erlitt nach ihrer Festnahme durch ICE eine Fehlgeburt, und ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich angesichts des Fehlens einer psychologischen und gynäkologischen Behandlung dramatisch. Hier fordert amnesty, dass die Frau sofort freigelassen wird und ihre Krankenakte erhält, damit sie die dringend benötigte Behandlung bekommen kann.
Zu diesen drei Fällen lagen am Informationsstand vorformulierte Petitionsbriefe in englischer Sprache (eine deutsche Übersetzung lag zur Einsichtnahme daneben) aus, in die die interessierten Personen ihren Namen, Adresse und Unterschrift eintragen konnten.
Zu jedem der drei Fälle wurden rd. 60 Petitionen auf diese Weise fertiggestellt, die anschließend von der Ortsgruppe – aufgeteilt in viele Umschläge – an die Adressaten geschickt wurden. Dies ist ein großer Erfolg. Auffallend war, dass rund zwei Drittel der teilnehmenden Personen Frauen waren.
- Leonhard am Stand
- Leonhard und Gabriele am Stand
Im direkten Kontakt mit den Menschen konnten viele interessante Gespräche geführt werden. So waren viele Besucher/-innen des Informationsstands überrascht, wie wirkungsvoll die Arbeit von amnesty international ist. (www.amnesty.de/mitmachen/unsere-erfolge). In vielen Fällen können Freilassungen, eine Verkürzung der Haftdauer, Hafterleichterungen oder eine bessere medizinische Versorgung erreicht werden. Aber auch schon das Wissen darum, dass man nicht allein und von der Welt vergessen ist, stellt für die inhaftierten Menschen eine enorme psychologische Unterstützung dar.
Mit Bezug auf einen auf dem Informationsstand ausliegenden Flyer „Rassistische Gewalt in Deutschland stoppen“ wurden die Vertreter/-innen von amnesty international von einem Passanten als „alt-68er Kommunisten und Deutschlandhasser“ bezeichnet.
Dies zeigt nur, wie wichtig eine permanente und umfassende Aufklärungsarbeit in Fragen von Grundrechten, Menschenrechten und Demokratie ist.
Die Ortsgruppe von amnesty international ist immer wieder im Weltladen mit einem Informationsstand präsent (das TAGBLATT informiert) und wird sicherlich auch wieder am nächsten Obst- und Gemüsetag vertreten sein. Es ist der Ortsgruppe ein Anliegen, allen Menschen, die sie bei ihrer Arbeit tatkräftig oder auch finanziell unterstützen ein herzliches Dankeschön zukommen zu lassen.


